Foto: René Riis

Ilona Scholl

Gastgeberin
Tulus Lotrek, Berlin

Ilona Scholl ist Quereinsteigerin. Sie hat schon während der Schule gekellnert und sich später damit das Studium finanziert. Im Gegensatz zu den meisten Kolleginnen hat sie aber nicht gekellnert, um zu studieren, sondern eher studiert, um in Ruhe kellnern zu können – denn das hat ihr einfach besser gefallen, aber das konnte sie ja keinem sagen, der fragte: „Und Kind, was willste werden, wenn Du groß bist?"

Sie bringt heute auf Partys manchmal immer noch Leute zum Verstummen, wenn sie sagt: „Ich bin Kellnerin!" Die Leute fragen sich, was da nicht stimmt, denn der Beruf hat nicht das Sozialprestige, das ihm ihrer Meinung nach gebührt.

Ihre Philosophie ist vielleicht etwas antizyklisch bei all dem missionarischen Eifer und der Gästepädagogik, die ihr in den letzten Jahren entgegenschlagen. Sie ist dann am besten, wenn sie sich auf ihr Gegenüber konzentriert. Sie stellt ihre Aufmerksamkeit in den Dienst ihrer Gäste und bekommt heraus, was sie sich wünschen: Wie viel Ansprache, welchen Lingo, welchen Humor. Wie viel sie erzählen oder erfahren wollen, ob sie verunsichert oder traumwandlerisch sicher ins Restaurant kommen – und dann findet sie sich darin ein. Innerhalb des Konzepts und ihrer eigenen Grenzen.

Das fällt ihr meist nicht schwer. Sie mag Essen, Wein und Menschen. Und in einer Welt, die einem so viel Selbstdarstellerei abfordert, empfindet sie es als großes Privileg, sich jemandem widmen zu können.

Tulus Lotrek
INstagram